Der Wasserstoffperoxid-zu-Propylenoxid-Prozess

Der Wasserstoffperoxid‑zu‑Propylenoxid‑Prozess (HPPO) ermöglicht die direkte Herstellung von Propylenoxid unter Einsatz von Wasserstoffperoxid als Oxidationsmittel. Das gemeinsam von thyssenkrupp Uhde und Evonik ab dem Jahr 2000 entwickelte Verfahren bietet einen effizienten und wirtschaftlichen Produktionsweg, bei dem als Nebenprodukt ausschließlich Wasser entsteht.

Die Vorteile der HPPO Technologie

Propylenoxid wird überwiegend zur Herstellung von Polyurethanvorprodukten eingesetzt – ein stark wachsender Markt, der durch globale Trends wie Ressourceneffizienz und eine steigende industrielle Nachfrage angetrieben wird.

Ein Großteil des Propylenoxids wird zu Polyurethanzwischenprodukten weiterverarbeitet, die in Anwendungen wie Autositz‑ und Möbelpolsterungen sowie in Dämmstoffen für die Bau‑ und Kühlgeräteindustrie zum Einsatz kommen. Die weltweit erste HPPO‑Anlage im industriellen Maßstab – lizenziert von Evonik Industries und thyssenkrupp Uhde –

wurde 2008 von SKC in Ulsan, Südkorea, errichtet. Die ursprüngliche Jahreskapazität betrug 100.000 Tonnen Propylenoxid, später wurde sie auf 130.000 Tonnen pro Jahr erweitert. SKC nutzt die Produktion für nachgelagerte Verarbeitungsschritte und liefert Propylenoxid sowohl an den koreanischen Markt als auch in angrenzende Länder.

Das in Ulsan eingesetzte Wasserstoffperoxid wird per „over‑the‑fence“‑Versorgung direkt aus einer benachbarten H₂O₂‑Anlage an die HPPO‑Produktion geliefert.

Weltweite HPPO‑Partnerschaften

BL AO HPPO licensed by Evonik and Thyssenkrupp Uhde

HPPO lizenziert von Evonik und thyssenkrupp Uhde

Der erste globale HPPO-Betrieb in China mit einer Kapazität von 300.000 metrischen Tonnen Propylenoxid von Jishen Chemical Industry Co. Ltd. nutzt ebenfalls das von Evonik-Uhde entwickelte Verfahren und ist die zweite Anlage dieser Art. Evonik liefert sein H2O2 direkt über eine beide Werke verbindende Pipeline an die benachbarte Propylenoxidanlage von Jishen. 

Die neue Produktionsanlage verfügt über eine jährliche Kapazität von 230.000 metrischen Tonnen. Evonik hat mehr als 100 Millionen Euro in diesen Standort investiert. Bisher wurde Wasserstoffperoxid hauptsächlich als Bleichmittel in der Textil-und Zellstoffindustrie verwendet. Das HPPO-Verfahren ermöglicht nun ebenfalls den Einsatz dieses umweltfreundlichen Oxidationsmittels in der chemischen Direktsynthese von Propylenoxid.

HPPO ist die Technologie der Wahl, um entweder neue PO-Kapazitäten aufzubauen oder die PO-Kapazitäten zu ersetzen, die auf dem alten, umweltschädlichen Chlorhydrinverfahren basieren. Die ungarische MOL-Gruppe und das chinesische Unternehmen Zibo Qixiang Tengda Chemical sind zwei weitere Beispiele, die derzeit HPPO-Kapazitäten aufbauen, 200kta in Tiszaújváros, Ungarn, bzw. 300kta in Zibo, China, und dabei die Evonik-Uhde-Technologie nutzen.

Video über die HPPO Technologie