Portfoliotransformation
„Portfoliotransformation“ ist eines der wesentlichen Themen aus unserer doppelten Wesentlichkeitsanalyse. Damit wollen wir Evonik noch resilienter aufstellen und neue, wachstumsstarke Geschäftsmöglichkeiten erschließen. Gleichzeitig verbessern wir mit unseren innovativen Produkten und Technologien die Nachhaltigkeitsleistung unserer Kunden und wollen damit ihre Bindung an uns stärken. Evonik hat Nachhaltigkeit in den Strategischen Managementprozess integriert. Zentrales Instrument zur strategischen Steuerung und Weiterentwicklung unseres Portfolios ist die Nachhaltigkeitsanalyse der Geschäfte. Darüber erhalten wir wichtige Bezugspunkte zur Qualität unseres Portfolios – von der Bestimmung des Umsatzanteils unserer Next Generation Solutions bis zum Ausweis solcher Produkte, die wir als „Transitioner“ oder „Challenged“ klassifizieren. Dabei wenden wir den Industriestandard des World Business Council for Sustainable Development (WBCSD) an, der ein stetig steigendes Ambitionsniveau in den Märkten berücksichtigt.
Eine besondere Stärke von Evonik sehen wir in der engen, partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit Kunden. Das sind überwiegend Industrieunternehmen, die unsere Produkte weiterverarbeiten. Unsere Geschäfte leisten mit ihren innovativen Lösungen und Technologien einen entscheidenden Zusatznutzen, der für unsere Kunden in ihren jeweiligen Endmärkten im Wettbewerb wichtig ist.
Evonik strebt an, so weit wie möglich in die Wertschöpfungsketten ihrer Kunden eingebunden zu sein. Auf diese Weise können wir unsere Abläufe in Forschung & Entwicklung, Produktion sowie Marketing und Vertrieb eng mit den Anforderungen der Kunden verzahnen. Wir suchen außerdem vielfältige Kontakte zu unseren Stakeholdern, um relevante Entwicklungen in unserem Umfeld frühzeitig zu erkennen und in ihren Marktauswirkungen zu verstehen.
Ziele
- Ausweitung des Umsatzanteils mit Next Generation Solutions auf > 50 Prozent bis 2030
- Dauerhafter Umsatzanteil mit Produkten der Kategorie „Challenged“ von < 5 Prozent
- 1,5 Milliarden € zusätzlicher Umsatz mit Innovationswachstumskernen bis 2032
Erreichen wollen wir unsere Ziele zum einen durch die Weiterentwicklung bestehender Next Generation Solutions. Zum anderen richten wir Forschung & Entwicklung auf die Erwirtschaftung zusätzlicher Umsätze mit neuen Next Generation Solutions aus. Die gleichzeitige Verringerung des Umsatzanteils von Produkten, die als „Transitioner“ oder „Challenged“ eingestuft sind, erreichen wir durch gezielte Reformulierung der Chemikalienzusammensetzung oder durch Rückzug aus den betreffenden Geschäften.
NACHHALTIGKEITSANALYSE DER GESCHÄFTE: METHODIK
Im Zentrum unserer Nachhaltigkeitsanalyse stehen die von Evonik als wesentlich identifizierten Marktsignale. Dazu zählen unter anderem künftige regulatorische Entwicklungen beispielsweise zur Chemikaliensicherheit entlang der Wertschöpfungskette, ökologische und soziale Leistungen im Marktvergleich oder wesentliche Nachhaltigkeitsambitionen in unseren Märkten. Die Bewertung orientiert sich am Rahmenwerk des WBCSD. Sie erlaubt, unterschiedliche Marktsignale in den unterschiedlichen Endmärkten unseres Geschäfts zu berücksichtigen.
Die Bewertungseinheit wird mittels einer differenzierten Betrachtung der jeweiligen Produkte in spezifischen Anwendungen und regionalen Kontexten (Product Application Region Combinations, PARCs) festgelegt. Für jede PARC bewerten wir auch die Nachhaltigkeitsperformance der Produkte in ihrer Nutzungsphase. Diese Bewertung wird zuerst qualitativ durch Experteneinschätzungen durchgeführt und schrittweise stärker mittels ökobilanzieller Betrachtung verbessert und quantifiziert. Wir erweitern den PARC-Ansatz dynamisch um neue Anforderungen, etwa aus den Bereichen Zirkularität und Product Stewardship. Über die Nachhaltigkeitsanalyse unserer Geschäfte bekommen wir frühzeitig Signale, sollten wesentliche Produkte oder Dienstleistungen von Evonik Verboten auf bestimmten Märkten unterliegen. Dies ist derzeit nicht der Fall.
ANALYSEN ZUR MESSBARKEIT VON NACHHALTIGKEIT
| Art der Analyse | Erkenntnise zu folgenden Fragestellungen |
|---|---|
| Nachhaltigkeitsanalyse der Geschäfte | Welche Stärken und Schwächen in Bezug auf Nachhaltigkeitsanforderungen weisen die Produkte in unserem Portfolio auf? (Inside-out-Perspektive und Outside-in-Perspektive) |
| Ökobilanzielle Betrachtungen | Welche Umweltauswirkungen haben unsere Produkte durch die Herstellung (Cradle-to-Gate) oder einschließlich ihrer Anwendung bei unseren Kunden (Cradle-to-Grave)? (Inside-out-Perspektive) |
| Wertschöpfungsketten-Analyse | Welche Chancen und Risiken gibt es für unsere Produkte aus einer Stakeholder-Perspektive in ihren jeweiligen Wertschöpfungsketten? (Outside-in-Perspektive) |
| Earnings per Carbon Emitted | Wie hoch ist die Resilienz unserer Geschäfte in Bezug auf CO2-Preise? (Outside-in-Perspektive) |
Analyse zur Ermittlung der konzernrelevanten Sustainable Development Goals | Mit welchen Produkten und Lösungen für unsere Kunden leisten wir einen Beitrag zur Bewältigung gesellschaftlicher Herausforderungen? Wie tragen wir zur Erreichung der 17 SDGs bei? (Inside-out-Perspektive) |
ERGEBNISSE 2025
Im Jahr 2025 haben wir 518 PARCs untersucht, die den kompletten Chemieumsatz des Geschäftsjahres abdecken. Die Anzahl der PARCs ist gegenüber dem Vorjahr leicht rückläufig.
Die wichtigsten Ergebnisse sind:
- Evonik erzielte 91 Prozent ihres Umsatzes mit Produkten und Lösungen, die hinsichtlich ihrer Nachhaltigkeitsleistungen mindestens auf Marktniveau liegen (Kategorien „Leader“, „Driver“ und „Performer“).
- 48 Prozent ihres Umsatzes erwirtschaftete Evonik mit Next Generation Solutions. Dies sind Produkte und Lösungen, die hinsichtlich ihres positiven Nachhaltigkeitsprofils über oder sogar deutlich über Marktniveau liegen (Kategorien „Leader“ und „Driver“).
- Für 7 Prozent des Umsatzes lagen schwach negative (Kategorie „Transitioner“) und für 2 Prozent stark negative Signale (Kategorie „Challenged“) vor, die wir im Dialog mit unseren Kunden und Lieferanten durch Innovation oder durch ein aktives Portfoliomanagement adressieren.
Der Earnings per Carbon Emitted (EPCE) des Evonik-Portfolios beträgt im Geschäftsjahr 2025 431 €/Tonne CO2e.
Quantifizierung des Handabdrucks von ausgewählten Evonik Next Generation Solutions
Evonik bietet eine Reihe von Produkten an, die sich in ihren Anwendungen – im Vergleich zu konventionellen Alternativen – durch ein positives Nachhaltigkeitsprofil (Handabdruck) auszeichnen. Um diesen Effekt zu quantifizieren, nutzen wir die Metrik der CO2e-Einsparungen in der Nutzungsphase. Die Einsparungen entstehen über den Lebenszyklus der Anwendungen, die mit den verkauften Produktmengen von Evonik realisiert wurden. Die Berechnung erfolgt nach einer Evonik-internen Methodik zur Handabdruck-Bewertung, die auf der vom WBCSD 2025 neu veröffentlichten Leitlinie für die Bilanzierung vermiedener Emissionen beruht. Für die Berechnung werden sowohl primäre Daten der Evonik-Produkte als auch sekundäre Daten, wie beispielsweise Informationen aus Ökobilanzdatenbanken und Marktstudien zu Referenzprodukten und deren Anwendungen, herangezogen. Die Annahmen zur Quantifizierung der Nachhaltigkeitseffekte unserer Produkte in der Nutzungsphase werden durch Sensitivitätsanalysen besonders untersucht.
Im Berichtsjahr wurden insgesamt sieben Produktanwendungen berücksichtigt. Im Jahr 2025 führte der Einsatz der betrachteten sieben Produkte – mit denen wir einen Umsatz von 1,5 Milliarden € erwirtschafteten – nach unseren Berechnungen zu vermiedenen Treibhausgasemissionen von 44 Millionen Tonnen CO2e.
LIFE CYCLE ASSESSMENTS
Der Nachhaltigkeitsanspruch von Evonik wird von drei zentralen Säulen getragen: Handabdruck vergrößern, Fußabdruck verringern und Werte schaffen.
Wir arbeiten kontinuierlich daran, die Nachhaltigkeit unseres Produkt- und Technologie-Portfolios zu verbessern. Ein Beweis dafür ist der wachsende Anteil an „Next Generation”-Lösungen mit klarem Nachhaltigkeitsprofil. Zur Erreichung unserer Umweltziele ist die Messung und Bewertung von Umweltauswirkungen unerlässlich. Dabei kommt die Methode der Ökobilanz (engl. Life Cycle Assessment, LCA) zum Einsatz.
BETRACHTETE WIRKUNGSKATEGORIEN IM RAHMEN VON ÖKOBILANZEN BEI EVONIK
Neben dem CO2 -Fußabdruck liefert die Ökobilanz Ergebnisse für eine Vielzahl weiterer Umweltwirkungen. Wir werten Ökobilanzen standardmäßig nach der Methode Environmental Footprint 3.1 aus. Auf Anfrage können Ergebnisse für zahlreiche weitere Wirkungsabschätzungsmethoden wie CML, ReCiPe, TRACI etc. zur Verfügung gestellt werden.
Evonik quantifiziert die Umweltwirkungen seiner Produkte und Technologien in Form von Footprints und Handprints. Zu diesem Zweck wird die Sachbilanz (Life Cycle Inventory, LCI) durch aktuelle Charakterisierungsfaktoren mit verschiedenen Wirkungskategorien und deren Wirkungsindikatoren verknüpft. Im Folgenden werden die wichtigsten Indikatoren beschrieben: