Forschung, Innovation & Zukunftstechnologien

Forschung und Innovation sind für Evonik die Grundlage für Wettbewerbsfähigkeit, nachhaltiges Wachstum und die Transformation der Industrie. Neue Technologien ermöglichen es, Produkte, Prozesse und Wertschöpfungsketten effizienter, ressourcenschonender und leistungsfähiger zu gestalten.

Damit Forschungsergebnisse schneller in industrielle Anwendungen, Investitionen und Arbeitsplätze überführt werden können, setzt sich Evonik für innovationsfreundliche politische Rahmenbedingungen in Deutschland und Europa ein. Entscheidend sind ein starker Forschungsstandort, funktionierender Technologietransfer und verlässliche regulatorische Rahmenbedingungen für die industrielle Umsetzung neuer Technologien.


Biotechnologie: Schlüsseltechnologie für Wettbewerbsfähigkeit, Innovation und nachhaltige Industrie

Biotechnologie gehört aus Sicht von Evonik zu den wichtigsten Zukunftstechnologien für Deutschland und Europa und ist eines von drei strategischen Innovationswachstumsfeldern des Unternehmens. Sie verbindet biologische Prozesse mit industrieller Produktion und ermöglicht nachhaltigere Produkte, effizientere Herstellungsverfahren sowie innovative Anwendungen in unterschiedlichen Industrien. Biotechnologie trägt dazu bei, Lösungen für Herausforderungen in den Bereichen Gesundheit, Ernährung, Ressourceneffizienz und Klimaschutz zu entwickeln. Gleichzeitig stärkt sie die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie, schafft neue Wertschöpfungspotenziale und unterstützt die technologische Souveränität Europas.

Evonik entwickelt biologische Lösungen, die dazu beitragen, Gesundheit und Lebensqualität zu verbessern und gleichzeitig Ressourcen und Ökosysteme zu schonen. Die Anwendungsfelder reichen von nachhaltiger Tierernährung über mikrobiomfreundliche Kosmetik bis hin zu pharmazeutischen und medizinischen Lösungen. Damit leistet Biotechnologie einen Beitrag zu Innovation und gesellschaftlichem Nutzen und eröffnet zugleich neue Investitions- und Wachstumsperspektiven für den Industriestandort Deutschland und Europa.

Evonik entwickelt und produziert mithilfe biotechnologischer Verfahren unter anderem Biomoleküle wie Aminosäuren und Biotenside sowie "Biomicrobials" wie Probiotika. Diese Produkte kommen beispielsweise in der Tierernährung, Kosmetik, Pharmazie und Medizin zum Einsatz.

Warum ist Biotechnologie für Deutschland und Europa wichtig?

Biotechnologische Verfahren ermöglichen die Herstellung hochwertiger Produkte auf Basis biologischer Prozesse. Sie können dazu beitragen, Rohstoffe effizienter einzusetzen, Ressourcen zu schonen und industrielle Produktionsverfahren nachhaltiger zu gestalten.

Eine zentrale Rolle spielt dabei die Fermentation. Bei diesem Verfahren werden Mikroorganismen wie Bakterien, Hefen oder Algen eingesetzt, um hochwertige Produkte effizient und ressourcenschonend herzustellen.

Biotechnologie gilt weltweit als wichtiger Baustein der Bioökonomie und einer nachhaltigen industriellen Produktion. Wer biotechnologische Innovationen entwickelt, skaliert und industriell produziert, stärkt langfristig Wertschöpfung, Beschäftigung und internationale Wettbewerbsfähigkeit.

Politische Rahmenbedingungen für Innovation und industrielle Wertschöpfung

Deutschland und Europa verfügen über eine starke Forschungslandschaft und leistungsfähige Industriestandorte. Damit biotechnologische Innovationen jedoch in marktfähige Produkte, industrielle Produktion und neue Wertschöpfung überführt werden können, braucht es wettbewerbsfähige Rahmenbedingungen.

Evonik setzt sich für schnellere und planbare Genehmigungsverfahren, eine technologieoffene und risikogerechte Regulierung, verlässliche Regeln für biologische Ressourcen und digitale Sequenzinformationen sowie wettbewerbsfähige Standortbedingungen ein. Aktuell führen komplexe und langwierige Verfahren häufig dazu, dass Investitionen und Produktionskapazitäten außerhalb Europas entstehen.

Für Evonik gilt: Regulierung sollte sich an den Eigenschaften und Risiken eines Produkts orientieren, nicht primär an der eingesetzten Technologie. So lassen sich hohe Sicherheitsstandards mit Innovation, Investitionen und industrieller Wertschöpfung in Deutschland und Europa verbinden.

Der EU Biotech Act reicht bei weitem noch nicht aus

Illustration mit Symbolen und Zahlen zur Beschäftigung und Wertschöpfung in der deutschen Bioökonomie.

Die EU-Kommission will Biotechnologie als Schlüsselindustrie stärken. Bisherige Entwürfe des EU Biotech Act I sind ein Schritt in die richtige Richtung – reichen allerdings bei weitem nicht aus, um Europas Wettbewerbsfähigkeit wirklich zu stärken.

 

Für Evonik stehen die Regelungen zu genetisch veränderten Mikroorganismen (GVMs) wie Bakterien und Hefen im Vordergrund, die bereits heute für die Herstellung von Biomolekülen, wie Aminosäuren und Biotensiden, eingesetzt werden. Und ihre Bedeutung für industrielle Wertschöpfungsketten wächst: Künftig sollen sie auch verstärkt für mikrobielle Produkte wie Probiotika genutzt werden, die Anwendungsbereiche reichen von Kosmetik über Lebens- oder Futtermitteln bis hin zu Pharmazie und Medizin. Unternehmen wie Evonik gehören in diesem globalem Wachstumsmarkt zu den Innovationstreibern. Um entsprechende Produkte erfolgreich entwickeln und vermarkten zu können, benötigen sie wissenschaftsbasierte Rahmenbedingungen – genau darauf sollte der EU Biotech Act I einzahlen.

 

Fakt ist aber: Der aktuelle Vorschlag ist unzureichend.

 

  1. Der Anwendungsbereich konzentriert sich weitgehend auf Pflanzenschutzmittel. Zahlreiche industrielle Anwendungen von GVMs werden nicht erfasst und profitieren somit nicht von einer vereinfachten Zulassung. 
  2. Die Regulierung orientiert sich weiterhin überwiegend am eingesetzten Verfahren statt am tatsächlichen Risikoprofil des Endprodukts. Werden moderne Methoden wie CRISPR-CAS eingesetzt, greifen strenge Regeln. Werden dagegen traditionelle Verfahren genutzt, gelten weniger strenge Regeln – obwohl die resultierenden Produkte identisch sein können.

 

Das überkommene Festhalten am verfahrensbasierten Regulierungsansatz torpediert jeden Ansatz eines modernen Rechtsrahmens für Biotech-Innovationen. Notwendig ist ein produktbasierter und risikogerechter Regulierungsrahmen. Dazu gehören insbesondere:

 

  • BREITERER ANWENDUNGSBEREICH: Neue Regulierungsansätze müssen das gesamte Spektrum der Biotechnologie abdecken und dürfen Bereiche wie die Lebens- und Futtermittelproduktion nicht ausschließen.

 

  • WISSENSCHAFTSBASIERTE REGULIERUNG: Die EU muss ihren Rechtsrahmen konsequent am aktuellen wissenschaftlichen Kenntnisstand ausrichten.

 

  • RISIKOBASIERTER ZULASSUNGSWEG: Für GVMs mit geringem Risiko muss ein effizienter Zulassungsweg geschaffen werden. Ist ein Produkt von seinem konventionellen Pendant nicht zu unterscheiden, darf es regulatorisch nicht strenger behandelt werden. 

 

Ein moderner, produktorientierter Rahmen schützt Mensch und Umwelt ebenso wirksam wie heute und stärkt gleichzeitig Innovation, Investitionen und Wettbewerbsfähigkeit. Die EU ist gefordert, mit dem Biotech Act I sowie dem angekündigten Biotech Act II die Grundlagen für eine erfolgreiche europäische Bioökonomie zu legen.

Regulierung neu und zukunftsweisend aufsetzen

Die EU-Kommission will mit ihrer Initiative „Boosting Biotechnology and Biomanufacturing“ Innovationskraft und Wettbewerbsfähigkeit der Unternehmen stärken. Ein entscheidender Aspekt ist dabei die Neufassung der überkommenen Biotech-Regulierung – Mikroorganismen müssen endlich berücksichtigt werden.

Die Biotechnologie entwickelt sich in atemberaubendem Tempo. Grenzen zwischen gentechnischen und konventionellen Methoden verschwimmen zunehmend. Ob einer minimalen genetischen Veränderung – durch die zum Beispiel eine Antibiotikaresistenz entfernt wird – biotechnologische Verfahren, chemische Wirkstoffe oder eine natürliche Mutation zugrunde liegen, ist schwer bis unmöglich nachzuweisen. Die aktuelle Regulierung rund um gentechnisch veränderte Organismen (GVO) spiegelt diese Entwicklung nicht wider: Ein und dasselbe Produkt – das mit unterschiedlichen Techniken gewonnen wird – unterliegt demnach unterschiedlichen regulatorischen Verpflichtungen und Kennzeichnungsanforderungen.

Mikroorganismen berücksichtigen

Es ist daher dringend erforderlich, dass dieser prozessorientierte Ansatz durch einen produktorientierten ersetzt wird. Für Pflanzen ist ein Gesetzesvorschlag bereits in Arbeit. Nun gilt es, auch für Mikroorganismen wie Bakterien und Hefen – die mit modernen biotechnologischen Techniken auf Wirksamkeit, Sicherheit und Nachhaltigkeit optimiert werden – einen entsprechenden Regulierungsrahmen zu formulieren. Die volkswirtschaftliche Relevanz der Mikroorganismen ist erheblich. Sie werden beispielsweise für die Produktion von Aminosäuren, Enzymen, Vitaminen und Biotensiden eingesetzt und haben zudem eine enorme Bedeutung als Probiotika für eine gesunde Darmflora. Zudem kommen sie zur Schädlingsbekämpfung zum Einsatz und finden sich zusehends in Körperreinigungs-, Kosmetik- und Hygieneprodukten sowie in Arzneimitteln.

Vorteilsausgleich für DSI

Digitale Sequenzinformationen (DSI) geben Auskunft über Biodiversität sowie biochemische Reaktionen und Stoffwechselprodukte von Organismen. Unternehmen, die auf Basis von DSI neue Produkte entwickeln, sollen laut Beschluss der 16. UN-Biodiversitätskonferenz freiwillig in den sogenannten Cali-Fonds einzahlen. Ziel: Insbesondere Entwicklungsländer – aus denen die Organismen ursprünglich stammten – sollen dafür einen Vorteilsausgleich erhalten und die Mittel zur Wiederherstellung der Artenvielfalt nutzen. Die Rahmenbedingungen, die über den COP16-Beschluss geschaffen wurden, sind für die Industrie schlicht ungenügend, um zum jetzigen Zeitpunkt freiwillig einzuzahlen. Notwendige Nachbesserungen aus Sicht von Evonik:

  • RECHTSSICHERHEIT: Unternehmen benötigen die Betriebslizenz für die Nutzung von DSI während des gesamten Innovations- und Kommerzialisierungsprozesses.
  • ZAHLUNGEN: Die Höhe muss in einem angemessenen Verhältnis zu den Vorteilen stehen, die sich aus der DSI-Nutzung ergeben.
  • WETTBEWERB: Die DSI-Vergütung muss faire Wettbewerbsbedingungen wahren – zwischen Unternehmen, die biobasierte und nicht-biobasierte Produkte herstellen oder DSI nutzen und nicht nutzen.

Wie die Regulierung aussehen könnte? Optimierte Mikroorganismen sollten entsprechend der möglichen Risiken für Gesundheit und Umwelt klassifiziert werden. Sind die Risiken umfangreicher, unterliegt das entsprechende mikrobielle Produkt einem höheren Registrierungsaufwand und strengeren Zulassungsauflagen.

Weiterführende Literatur

Dialogplattform industrielle Bioökonomie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (2025): Positionspapier zur Änderung des europäischen GVO-Rechtsrahmens für Mikroorganismen
Dialogplattform industrielle Bioökonomie des Bundesministeriums für Wirtschaft und Energie (2025): Positionspapier zur Änderung des europäischen GVO-Rechtsrahmens für Mikroorganismen (Kurzfassung)
Alexandra Lensch (Evonik Operations GmbH) et al. (2024): Safety aspects of microorganisms deliberately released into the environment (EFB Bioeconomy Journal)

Mehrwert fair und unbürokratisch teilen

Digitale Sequenzinformationen (DSI) sind von unschätzbarem Wert. Mit ihrer Hilfe können unter anderem neue Medikamente, hochwertiges Futtermittel und nachhaltige Produkte der Bioökonomie entwickelt werden. Allerdings droht, dass ihre weltweite Nutzung massiv eingeschränkt wird.

In öffentlichen Datenbanken sind Milliarden von DSI gespeichert. Beispielsweise von Pflanzen aus Südamerika, Tieren aus Europa oder Mikroorganismen aus Asien. Das Problem: Es ist nicht geregelt, wie die Ursprungsländer dieser genetischen Ressourcen von dem späteren Nutzen aus Forschung, Produktentwicklung und -vertrieb profitieren. Denn DSI lassen sich unter Umgehung des Nagoya-Protokolls beschaffen, das seit einem Jahrzehnt den Zugang sowie den erwähnten Vorteilsausgleich zu genetischen Ressourcen definiert.

Vor diesem Hintergrund haben erste Staaten wie Brasilien, Indien und Kenia begonnen, die Nutzung von DSI bilateral zu regeln. Eine dramatische Fehlentwicklung: Bei der Nutzung von DSI werden oft zahlreiche Sequenzen aus unterschiedlichen Herkunftsländern miteinander verglichen – bilateral zu vereinbarende Genehmigungsverfahren werden den Zugang massiv verzögern bzw. unmöglich machen. Zudem fehlen bei etwa 50 Prozent der in öffentlichen Datenbanken hinterlegten DSI klare Angaben zum Ursprungsort. Rechtsstreitigkeiten und Willkür werden die Tagesordnung bestimmen.

Weltweiter Fonds die Lösung!

Deshalb bedarf es mehr denn je eines multilateralen Ansatzes. Der Beschluss der Vertragsstaatenkonferenz zur biologischen Vielfalt – COP-16 im kolumbianischen Cali – zeigt den Weg auf. Die Idee: Wer aus DSI einen Vorteil erwirtschaftet, zahlt dafür einen definierten Betrag in den sogenannten Cali-Fonds. Dessen Gelder kommen dann den Ursprungsländern zugute. Allerdings: Die Rahmenbedingungen des COP-16-Beschlusses sind unzureichend.

Notwendige Nachbesserungen aus Sicht von Evonik:

  • RECHTSSICHERHEIT: Unternehmen benötigen die Betriebslizenz für die Nutzung von DSI während des gesamten Innovations- und Kommerzialisierungsprozesses.
  • ZAHLUNGEN: Die Höhe muss in einem angemessenen Verhältnis zu den Vorteilen stehen, die sich aus der DSI-Nutzung ergeben.
  • WETTBEWERB: Die DSI-Vergütung muss faire Wettbewerbsbedingungen wahren – zwischen Unternehmen, die biobasierte und nicht-biobasierte Produkte herstellen oder DSI nutzen und nicht nutzen.
Alternativbild

Weiterführende Literatur

Jörg Overmann, Alexandra Lensch (Evonik Operations GmbH) (2025): Herausforderungen des Nagoya-Protokolls für Wissenschaft und Industrie (VAAM Industry-Academia Panel)
Illustration zeigt den Prozess der Fermentation, Inaktivierung und Filtration von Mikroorganismen in drei Schritten.

Quasi-Verbot abwenden und Zukunft ermöglichen

Die EU will mit ihrer Initiative „Boosting Biotechnology and Biomanufacturing“ die Biotechnologie in Europa krafvoll unterstützen. Ein richtiger und überfälliger Schritt! Umso unverständlicher, dass parallel die Einführung eines Grenzwertes für rekombinante DNA biotechnologisch optimierter mikrobieller Produktionsstämme in Fermentationsprodukten für Lebens- und Futtermittel droht. DNA – Träger der Erbinformation und wichtiger Baustein des Lebens – ein gefährliches Molekül? Absurd!

 

Mikroorganismen werden seit Jahrtausenden eingesetzt, um beispielsweise Käse oder Wein herzustellen. Darüber hinaus helfen biotechnologisch optimierte Mikroorganismen unter anderem dabei, Aminosäuren für eine bessere Ernährung oder Biotenside für nachhaltige Reinigungs- und Kosmetikprodukte herzustellen. Das erfolgt in Fermentationsprozessen, in denen sich die Mikroorganismen stets in geschlossenen Systemen befinden und am Ende inaktiviert und entfernt werden. Deshalb gelten die Endprodukte nicht als gentechnisch verändert und unterliegen nicht der Verordnung gentechnisch veränderter Organismen (GVO).

 

DNA als regulatorischer Marker anstelle lebensfähiger Zellen?

 

Das kann sich ändern: Auf EU-Ebene wird diskutiert, dass Endprodukte auch dann der GVO-Verordnung unterliegen sollen, wenn sie Spuren rekombinanter DNA – anstelle lebensfähiger Zellen – aufweisen. Hintergrund: Mit hochempfindlichen Analysemethoden können heute winzigste im Produkt verbleibende DNA-Reste nachgewiesen werden. In Konsequenz gelten seit Jahrzehnten zugelassene Produkte mit sofortiger Wirkung als „nicht zugelassen“.

 

Klar ist: Wenn der Gesetzgeber fernab risikobasierter Sichtweisen DNA-Grenzwerte für biotechnologisch optimierte Mikroorganismen verordnet und biotechnologische Verfahren damit einem Generalverdacht unterwirft, werden die Unternehmen diese Schlüsseltechnologie nicht weiter in Europa vorantreiben und Produktionsstandorte verlagern. Sehenden Auges würden damit eine Bruttowertschöpfung in Milliardenhöhe sowie rund 53.000 Arbeitsplätze in Europa vernichtet.

 

Klare Position beziehen

 

Auf EU-Ebene wird voraussichtlich in 2027 über die Etablierung eines DNA-Grenzwertes entschieden. Abgeordnete in Brüssel sowie die Bundesregierung müssen alles in ihrer Macht stehende unternehmen, um eine Einführung abzuwenden. Andernfalls ist die eingangs erwähnte EU-Initiative zum Scheitern verurteilt. 

Weiterführende Literatur

Dr. Alexandra Lensch (Evonik Operations GmbH) et al. (2024): Recombinant DNA: 50 Years of Innovation, Impact and Controversy (Reference Module in LifeSciences)
Prof. Dr. Stefan Pelzer, Dr. Alexandra Lensch (Evonik Operations GmbH)(2024): Grenzwert für DNA in Fermentations produkten schadet Industrie und Akademie (Biospektrum)
Gastbeitrag von Dr. Harald Schwager (ehm. Mitglied des Vorstands der Evonik Industries AG)(2024): Europas Zukunftsfähigkeit steht auf dem Spiel!
Dr. Alexandra Lensch (Evonik Operations GmbH) et al. (2022): Recombinant DNA in fermentation products is of no regulatory relevance (Food Control)

FAQs Biotechnologie

Biotechnologie ermöglicht Innovationen in Bereichen wie Gesundheit, Ernährung, Chemie und Klimaschutz. Sie gilt als wichtiger Treiber für industrielle Wertschöpfung, technologische Souveränität und nachhaltiges Wachstum. 

Während andere Regionen Investitionen und industrielle Skalierung gezielt fördern, erschweren in Europa häufig komplexe Regulierung, lange Genehmigungsverfahren und hohe Standortkosten die Umsetzung biotechnologischer Innovationen. 

Forschung allein schafft noch keine industrielle Wertschöpfung. Erst die Überführung neuer Verfahren in Demonstrations- und Produktionsanlagen ermöglicht die wirtschaftliche Herstellung biobasierter Produkte.

Fermentationsanlagen sind die industrielle Infrastruktur der Biotechnologie. Verfügt Europa nicht über ausreichende Kapazitäten, werden Innovationen häufig in anderen Weltregionen produziert und dort wirtschaftlich genutzt.

Mikroorganismen wie Bakterien und Hefen sind die Grundlage vieler biotechnologischer Anwendungen, etwa bei Aminosäuren, Enzymen, Vitaminen oder Probiotika. Aus Sicht von Evonik sollte die europäische Regulierung den wissenschaftlichen Fortschritt in diesem Bereich stärker abbilden. 

In Europa erschweren insbesondere komplexe und teils nicht mehr zeitgemäße regulatorische Vorgaben, lange Genehmigungs- und Zulassungsverfahren sowie rechtliche Unsicherheiten bei neuen biotechnologischen Verfahren die industrielle Anwendung von Innovationen. Dies kann dazu führen, dass Investitionen, Skalierung und Produktion zunehmend in andere Weltregionen verlagert werden.

Eine technologieoffene Regulierung bewertet Produkte unabhängig davon, mit welcher Technologie sie entwickelt oder hergestellt wurden. Bei einer risikobasierten Regulierung werden Produkte nach ihren tatsächlichen Eigenschaften und potenziellen Risiken für Mensch und Umwelt bewertet. Nach Auffassung von Evonik sollten regulatorische Anforderungen auf wissenschaftlichen Erkenntnissen beruhen und sich am Produkt sowie dessen Risikoprofil orientieren, nicht allein an der eingesetzten Technologie.

Produkte mit vergleichbaren Eigenschaften und Risiken sollten auch vergleichbar reguliert werden. So können Innovation und hohe Sicherheitsstandards gleichermaßen gewährleistet werden. 

Auf EU-Ebene wird diskutiert, ob bestimmte Fermentationsprodukte bereits aufgrund kleinster nachweisbarer DNA-Spuren regulatorisch anders bewertet werden sollen. Evonik sieht hierin erhebliche Risiken für Innovation, Investitionen und industrielle Produktion in Europa.  

Biotechnologische Prozesse ermöglichen die Nutzung nachwachsender Rohstoffe sowie biologischer Produktionssysteme. Dadurch können fossile Ressourcen in zahlreichen Anwendungen teilweise ersetzt werden.

Die Bioökonomie schafft neue Märkte für biobasierte Produkte und Verfahren, stärkt Innovationen und eröffnet zusätzliche Wertschöpfungs- und Beschäftigungsmöglichkeiten. Gleichzeitig kann sie die Wettbewerbsfähigkeit Europas stärken und die Abhängigkeit von fossilen Rohstoffen verringern.

Digitale Sequenzinformationen (DSI) ermöglichen Forschern weltweit den Zugang zu genetischem Wissen, ohne physisches Material austauschen zu müssen. Sie sind eine wesentliche Grundlage für die Entwicklung neuer Medikamente, Futtermittel und biobasierter Produkte. 

Biotechnologische Forschung nutzt häufig genetische Daten aus vielen verschiedenen Herkunftsländern gleichzeitig. Ein multilateraler Ansatz kann den Zugang zu DSI erleichtern und gleichzeitig einen fairen Vorteilsausgleich ermöglichen. 

Aus Sicht von Evonik sind schnellere Genehmigungsverfahren, wissenschaftsbasierte Regulierung, ein produkt- und risikobasierter Rechtsrahmen sowie Investitionen in industrielle Skalierung entscheidend, um Europas Wettbewerbsfähigkeit zu stärken.