Bekämpfung des Klimawandels

Im Jahr 2022 hat sich Evonik zur Science Based Targets initiative (SBTi) bekannt. SBTi ist eine Partnerschaft von CDP, United Nations Global Compact, World Resources Institute und World Wide Fund for Nature. Die Initiative definiert und fördert Best Practices im Bereich der wissenschaftsbasierten Zielsetzung und bewertet entsprechende Ziele von Unternehmen auf unabhängiger Basis. Inzwischen ist sie zum international anerkannten Standard geworden. Bei der Wahl des Basisjahrs sind wir der entsprechenden Empfehlung von SBTi gefolgt und haben uns für 2021 entschieden, da es zum Zeitpunkt unseres Bekenntnisses zur SBTi das aktuellste Jahr unseres THG-Inventars darstellte. 2023 hat SBTi die von Evonik eingereichten Emissionsreduktionsziele validiert. Dabei bestätigte SBTi, dass das Ambitionsniveau des gesetzten Scope-1- und Scope-2-Ziels geeignet ist, dazu beizutragen, die Erderwärmung auf deutlich unter 2 °C zu begrenzen. Unser konzernweites übergeordnetes Scope-1- und Scope-2-Ziel sieht eine absolute Reduktion der entsprechenden Emissionen um 25 Prozent im Zeitraum 2021 bis 2030 vor. Die Reduzierung unserer CO2-Emissionen (Scope 1 und Scope 2) ist in der Vorstands- und Managementvergütung verankert und damit Bestandteil des Long Term Incentive. Darüber hinaus hat sich Evonik unter anderem dazu bekannt, im gleichen Zeitraum die absoluten Scope-3-Emissionen in den Upstream-Kategorien sowie der Downstream-Kategorie „Transport und Distribution“ um 11,07 Prozent zu reduzieren.

Unsere CO2-Reduktionsziele zählen zu den wissenschaftsbasierten Emissionsreduktionszielen und decken unsere gesamten Scope-1- und -2-Emissionen (100 Prozent) sowie mehr als zwei Drittel unserer Scope-3-Emissionen ab. Unsere Klimaziele sind Teil unseres Klimatransitionsplans und tragen zur Erreichung des Pariser Klimaabkommens bei. Wir streben an, im Jahr 2050 klimaneutral zu sein. Unsere SBTi-Ziele und unsere Roadmap bis 2030 wurden vom Vorstand genehmigt.

Maßnahmen

Zur Erreichung unserer anspruchsvollen Klimaziele stehen uns verschiedene THG-Reduktionshebel zur Verfügung.

 

Illustration zeigt drei Bereiche der Wertschöpfungskette mit Maßnahmen zur THG-Einsparung.

Maßnahmen zur Umsetzung unseres Klimatransitionsplans: Scope-1- und Scope-2-Emissionen bis 2030

 

Die Grafik „Unsere Roadmap 2030“ zeigt unseren Maßnahmenplan zur Erreichung unseres Scope-1- und -2-Ziels. Dieser besteht aus den drei Säulen „Ausstieg aus der Kohlekraft“, „Next Generation Technologies“ und „erneuerbare Energien“. Der Ausstieg aus der Kohlekraft am Standort Marl erfolgte im Frühjahr 2024. Die globale Weiterentwicklung von Produktionsprozessen und Infrastruktur bündeln wir im Rahmen unserer Next Generation Technologies. Zudem stellen wir schrittweise auf erneuerbare Energien um. Unterstützt wird dies durch digitale  Prozesstechnologien und die Integration von Nachhaltigkeitsdaten in existierende Geschäftsprozesse.

Die Erreichung unserer Scope-1- und -2-Ziele erfolgt zudem durch Investitionsmaßnahmen in optimierte Prozesse wie Steigerung der Energieeffizienz, Abwärme-Upcycling zur Wärmeintegration oder in Prozess-Redesign, beispielsweise Elektrifizierung. Hierfür haben wir im Jahr 2022 das Projekt EAGER durchgeführt, um Einsparpotenziale zur Senkung der THG-Emissionen an unseren Standorten zu identifizieren. Bis 2030 planen wir, 700 Millionen € in Next Generation Technologies zu investieren, also in die  Weiterentwicklung von Produktionsprozessen und Infrastruktur zur Einsparung von THG-Emissionen. Im Berichtsjahr waren bei Evonik Projekte in der Planung und der Umsetzung, die in den nächsten Jahren eine Reduktion von rund 450 Tausend Tonnen CO2e pro Jahr bewirken werden (rund 440 Tausend Tonnen CO2e pro Jahr). Das Investitionsvolumen für diese Projekte betrug 2025 rund 56 Millionen €.

Darüber hinaus soll zur Erreichung unseres Scope-1- und -2-Ziels bis 2030 eine komplette Umstellung des extern zugekauften Stroms auf grüne Energien erfolgen.

Diagramm zeigt Maßnahmen zur Reduktion der THG-Emissionen von 6.300 auf 4.730 kt CO2e bis 2030.

Carbon Pricing

Investitionsprojekte, die die Erreichung unseres CO2-Reduktionsziels und damit unseren Klimatransitionsplan unterstützen, sind Teil des jährlichen Finanzmittelplanungs- und Investitionszuweisungsprozesses, einschließlich der Genehmigung durch Vorstand und Aufsichtsrat. Bei der Planung großer Investitionen wenden wir unter anderem einen internen CO2-Preis an. Ziel ist, mit dieser Planungsprämisse die Entwicklungen bei CO2-intensiven Investitionen weltweit zuverlässig und harmonisiert für alle Investitionsanträge abbilden zu können. Darüber hinaus wird die erwartete Entwicklung der CO2-Preise in unseren Werthaltigkeitstests berücksichtigt. Bei der Ermittlung von Nutzungsdauern sind diese grundsätzlich in unseren Wirtschaftlichkeitsrechnungen enthalten. Wir gehen aktuell davon aus, dass im Rahmen des EU-Emissionshandelssystems (EU Emissions Trading System) bis 2030 ein Preis von 131 €/t CO2 veranschlagt wird. In allen übrigen für Evonik relevanten Regionen prognostizieren wir einen Preis von durchschnittlich 37 €/t CO2 bis spätestens 2030. Grund hierfür sind die politischen  Rahmenentwicklungen in zentralen Schwellen- und Entwicklungsländern, die derzeit eine Preissteigerung für CO2-Emissionen nicht erwarten lassen. Aufgrund regional unterschiedlicher Ausgangssituationen haben wir Preisentwicklungsszenarien – differenziert nach Ländern bzw. Regionen – ansteigend auf den global angenommenen Endpreis. Dabei berücksichtigen wir sowohl die direkten CO2-Emissionen (Scope-1-Emissionen) aus Produktion und Energieumwandlung als auch die indirekten CO2-Emissionen aus Bezug von Sekundärenergieträgern (Scope-2-Emissionen). Dies gilt grundsätzlich für alle unsere Scope-1- und Scope-2-Emissionen (100 Prozent). Konkrete Berechnungen erfolgen nur im Fall einer Investitionsplanung. Zur Unterstützung der betroffenen Bereiche nutzen wir einen CO2-Kostenrechner, der eine effiziente und systematische Ermittlung der für die jeweilige Investition zu berücksichtigenden CO2-Kosten ermöglicht. Dabei werden standort- und brennstoffspezifische Emissionsfaktoren sowie regionale CO2-Preisentwicklungsszenarien in Ansatz gebracht. Hierdurch wird eine harmonisierte Investitionsbewertung hinsichtlich der CO2-Kosten im Konzern möglich.

Maßnahmen zur Umsetzung unseres Klimatransitionsplans: Scope-3-Emissionen bis 2030

Die Senkung der Scope-3-Emissionen stellt die gesamte Wertschöpfungskette vor besondere Herausforderungen. Grund ist, dass die betreffenden Emissionen nicht in der eigenen unmittelbaren Einflusssphäre liegen und durch eine Vielzahl externer Faktoren beeinflusst werden. Das macht eine intensive Kooperation mit Partnern entlang der Wertschöpfungskette erforderlich. Unser Maßnahmenplan zur Erreichung unseres Scope-3-Ziels beruht auf der Emissionsreduktion zugekaufter Rohstoffe, der Nutzung alternativer Rohstoffquellen und der Emissionsreduktion bei Logistik und Packmitteln.

Zur Senkung der Emissionen bei eingekauften Rohstoffen brauchen wir zuverlässige Daten über die Emissionen unserer Lieferanten. Seit 2019 sammeln wir daher von allen wichtigen Rohstofflieferanten lieferantenspezifische Product Carbon Footprints. Zudem wurde im Rahmen der Together for Sustainability (TfS) Initiative eine Datenaustauschplattform zum direkten Austausch lieferantenspezifischer Emissionsdaten aufgebaut. Neben der Beschaffung von primären Emissionsdaten erörtern wir gemeinsam mit unseren Lieferanten weitere Reduktionsmaßnahmen. Dazu zählen der Einsatz erneuerbarer Energien, die Optimierung von Prozessen sowie die Verwendung alternativer Rohstoffe. Zusammen mit unseren Lieferanten vereinbaren wir Ziele zur Unterstützung der  Nachhaltigkeitsambitionen unserer Kunden.

Angesichts der begrenzten Verfügbarkeit CO₂-reduzierter  Rohstoffe verfolgen wir verschiedene Ansätze zur Senkung unserer Scope-3-Emissionen. Dazu zählt beispielsweise der Einsatz biomassenbilanzierter Materialien oder die Nutzung von mit Grünstrom hergestellten, anorganischen Rohstoffen. Derzeit prüfen wir die Ausweitung auf weitere Rohstoffgruppen. Darüber hinaus tragen zirkuläre Materialien zunehmend zur  Emissionsminderung bei. Durch enge Zusammenarbeit mit unseren Lieferanten können wir Prozessverbesserungen nachvollziehen und als konkrete Reduktionsmaßnahmen ausweisen. Die Berücksichtigung von Product Carbon Footprints in Ausschreibungen ermöglicht eine gezielte Auswahl nach Umweltwirkungen. Durch die Einbindung mittel- und langfristiger Szenarien sichern wir frühzeitig den Zugang zu klimafreundlichen Rohstoffen und tragen zur Stärkung unserer Lieferketten bei.

Seit 2023 weisen wir systematisch CO₂-Einsparungen im Logistik-und Packmitteleinkauf aus. So hat Evonik Tracking, intermodale Transporte, optimierte Full-Truck-Load-Ladungen und den Einsatz alternativer Kraftstoffe wie Hydrotreated Vegetable Oil ausgebaut. 2025 haben wir die CO₂-Intensität als Vergabekriterium in Transportausschreibungen integriert.

Maßnahmen zur Umsetzung unseres Klimatransitionsplans: Emissionen 2030 – 2050

In der Zeit nach 2030 werden die verbleibenden Scope-1- und -2-Emissionen durch weitere Energieeffizienz- und Wärmeintegrationsmaßnahmen reduziert. Im Berichtsjahr haben wir eine konzernweite Top-down-Abschätzung und eine Bottom-up-Analyse unserer Geschäfte mit den meisten Emissionen  durchgeführt, um langfristige Transitionspfade zur Klimaneutralität bis 2050 aufzuzeigen. Die Ergebnisse zeigen Technologieoptionen und mögliche Investitionsbedarfe auf. Für Scope-3-Emissionen läuft bereits ein breit angelegtes Screening unseres Technologie-Portfolios. Dabei werden mögliche zirkuläre (biobasierte, rezyklierte oder CO2-basierte) Rohstoffquellen für unsere Produktionsprozesse ermittelt sowie die mögliche Anpassung der Produktionsprozesse an zirkuläre Rohstoffe vorgedacht. In den Jahren bis 2030 wird dieses Screening fertiggestellt und entsprechend erforderliche Forschungen an modifizierten oder neuen Herstellprozessen vorangetrieben werden.

Grundsätzlich sehen wir für die Zeit nach 2030 die Verbreiterung des bestehenden Technologie- und Rohstoffportfolios sowie weltweit steigende Kosten für CO2-Emissionen als entscheidende Transformationstreiber an. Ab 2035 erwarten wir die technische Reife neuer Technologien, wie die breite Verfügbarkeit von grünem Wasserstoff. In den Folgejahren sollten auch Verfahren zur Abscheidung, Speicherung und Nutzung von Kohlendioxid, wie Carbon Capture and Storage (CCS) und Carbon Capture and Utilization (CCU), zum Durchbruch kommen. Technologien zur CO2-Nutzung bieten die Möglichkeit, den Verbrauch fossiler Kohlenstoffe sowie CO2-Emissionen zu reduzieren. Evonik forscht mit Partnern auf diesem Feld, um das Zusammenwirken entsprechender Technologien mit unserem Portfolio unter Marktbedingungen besser zu verstehen. Beispielsweise bieten unsere Kompetenzen in der Katalyseforschung die Möglichkeit, CO2 in Kombination mit grünem Wasserstoff und erneuerbaren Energien in ein höherwertiges Produkt zu überführen. Durch die chemische Umwandlung wird CO2 als Rohstoff und nicht mehr als Abfallstoff gesehen. Somit entstehen beispielsweise Methanol oder andere Kohlenwasserstoffe, die ihren Einsatz in Produkten wie Lösungsmittel, Polymere oder als Energieträger wie flüssige Kraftstoffe (E-Fuels) finden können. Die CO2-Anwendung für E-Fuels wird zusätzlich durch die ReFuelEU-Vorschriften für den Luftverkehr verstärkt. Wir begleiten solche Vorhaben und stehen mit entsprechenden Akteuren entlang der Wertschöpfungskette in engem Austausch.

Viele Maßnahmen zur Erreichung von Net-Zero bis 2050 sind Stand heute bekannt, jedoch lassen sich diese an vielen Stellen noch nicht wirtschaftlich umsetzen. Im Berichtsjahr stellen CO2-Bepreisungsmechanismen mit den dort angenommenen sehr hohen weltweiten Preisen für CO2-Emissionen das größte Einzelrisiko im Net-Zero-Szenario dar.

Stand 2025 befinden sich im Evonik-Portfolio keine THG-Emissionen, die bis 2050 technisch nicht abgebaut werden können. Zur Wirtschaftlichkeit der technisch bis 2050 möglichen Maßnahmen ist noch keine Prognose möglich. Potenziell gebundene THG-Emissionen (Scope 1 − 3) resultieren im Wesentlichen aus der Wärme- und Stromerzeugung aus fossilen Brennstoffen, insbesondere in Kraftwerken, Teilen von Produktionsanlagen und Rohstoffen.

Fortschritte 2025

Im Berichtsjahr hat Evonik die Umsetzung ihrer EAGER-Projekte im Rahmen des Klimatransitionsplans fortgesetzt. Folgende Projekte zahlen beispielhaft auf unser Scope-1- und Scope-2-Ziel ein: In Singapur haben wir unsere neue Alkoholat-Anlage  fertiggestellt und stellen zukünftig Alkoholate CO2-neutral her. Darüber hinaus haben wir mit den Arbeiten im Projekt „Ecluse“ zur Neuaufstellung der Dampfversorgung unseres Standorts in Antwerpen (Belgien) begonnen. Ab 2027 soll Dampf aus der benachbarten Müllverbrennungsanlage bezogen werden – anstelle der bisherigen kombinierten Dampf- und Stromversorgung aus Erdgas. Die Anlage wird zu ca. 50 Prozent mit Biomasse beheizt. Der benötigte Strom wird künftig über unsere langfristigen Grünstromverträge gedeckt. Darüber hinaus lag unser Fokus auf betrieblichen und fortlaufenden Prozessverbesserungen zur Energieeffizienzsteigerung und Emissionsreduktion wie beispielsweise die Nutzung von Abwärme zur Vorwärmung von Prozessströmen oder die energieoptimierte Fahrweise von Anlagen.

Zur Reduktion unserer Scope-3-Emissionen in der vorgelagerten Wertschöpfungskette haben wir im Berichtsjahr weitere Fortschritte erzielt: Die Abfrage von Primärdaten bei unseren Rohstofflieferanten hat seit 2024 zu einer signifikanten Steigerung in der Datenabdeckung unserer Scope-3-Emissionen geführt. Ebenfalls erzielen wir durch die Nachverfolgung von Prozessverbesserungen bei unseren Lieferanten Scope-3-Reduktionen. Zudem wurden die Anforderungen im Bereich der Ausschreibungen für ausgewählte, strategische Rohstoffe um das Kriterium der CO2-Intensität erweitert. So konnten gezielte Lieferantenwechsel zu einer weiteren Reduktion der Scope-3-Emissionen beitragen. Zusätzlich wurden die Mengen für einige biomassenbilanzierte sowie recycelte Rohstoffe gegenüber den Vorjahren weiter erhöht.

Weitergehende Informationen finden Sie im Finanz- und Nachhaltigkeitsbericht:

Downloads

Evonik Finanz- und Nachhaltigkeitsbericht 2025